IGeL - Individuelle Gesundheitsleistungen

Fortschritte der Medizin

Die Medizin des 21. Jahrhunderts ist geprägt von teils rasanten Entwicklungen. Einer diffizileren Diagnostik stehen besser werdenden Behandlungsmöglichkeiten von Erkrankungen gegenüber. Moderne Medikamente oder die „Schlüssellochchirurgie“ eröffnen in der Behandlung vieler Krankheiten völlig neue Möglichkeiten und haben nicht nur zur Lebensverlängerung beigetragen. Neben der Behandlung von Krankheiten rückt demgegenüber die Vorsorge bei vielen in den Hintergrund.
Dabei ist die wirksamste Behandlung immer schlechter als die Verhütung von Erkrankungen, deshalb kommt der Vorsorge eine so große Bedeutung zu.
Auch bei den großen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen liegt der Schwerpunkt ärztlicher Tätigkeit weniger in der Akuttherapie als vielmehr darin, weitere Komplikationen zu verhindern und eine gute Lebensqualität aufrecht zu erhalten.

Vorsorge ist sinnvoll !

Eigenartigerweise kümmern wir uns um unsere Gesundheit oft erst dann, wenn wir sie verloren haben. Autos und Computer oder andere Geräte lassen wir regelmässig überprüfen, um entstehenden Schäden vorzubeugen. Nur der Mensch wartet, bis der Schaden eingetreten ist.
Dabei lassen sich Erkrankungen und deren Folgen durch rechtzeitige Erkennung, Vorbeugung und Risikoverminderung oft verhindern.

Die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen ist auch vom Gesetzgeber und den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und zahlreiche Vorsorgeleistungen werden von den Krankenkassen, deren eigentlicher Versicherungszweck die Behandlung von Krankheiten ist, anerkannt und bezahlt. Von der Schwangerenvorsorge über Kindervorsorgeuntersuchungen bis hin zur Gesundheitsuntersuchung und Krebsvorsorge für Erwachsene ist ein bestimmtes Paket von Leistungen zur Früherkennung von Krankheiten vorgesehen und gesetzlich festgelegt. Dazu gehören auch zahlreiche Impfungen. Insgesamt ist dieses Programm aber lückenhaft und beschränkt sich auf die Früherkennung bestimmter, häufiger Erkrankungen.
So dient die Gesundheitsvorsorgeuntersuchung ab dem 35. Lebensjahr hauptsächlich der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Nierenkrankheit und der Zuckerkrankheit.
Zwischen dem 18. und dem 35. Lebensjahr sind überhaupt keine Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen, die gesetzliche Krebsvorsorge dürfen Männer erst ab dem 45. Lebensjahr in Anspruch nehmen und umfasst nur die Früherkennung von Darm- und Prostatakrebs, ein PSA-Test ist nicht vorgesehen. Relativ neu ist die Möglichkeit einer vorsorglichen Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr.

Dem einen oder anderen ist das vielleicht zu wenig, denn Berufs- und Privatleben führen häufig zu gesundheitlichen Belastungen, aus denen sich Krankheiten entwickeln können.

Die gesetzlich vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen unterliegen einem harten wirtschaftlichen Kalkül. So „lohnt“ die Finanzierung einer Früherkennungsmaßnahme erst dann, wenn damit zu rechen ist, dass wenigstens 400 Erkrankte pro 1 Million Untersuchungen gefunden werden. Alles andere rechnet sich eben nicht. Erst seit zwei Jahren ist z.B. die Impfung gegen Virushepatitis B, eine Erkrankung, an der ca. 600.000 Menschen in Deutschland erkrankt sind, an der ca. 1500 pro Jahr sterben und an der sich ca. 50.000 Menschen im Jahr neu anstecken, eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, aber nur für Menschen bis zum 18. Lebensjahr. Wenn Sie z.B. 22 Jahre alt sind, kommen Sie zu spät (für die gesetzliche Krankenkasse).

Die gesetzlichen Regelungen nehmen also wenig Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse. Auftretende Erkrankungen im Freundeskreis, bei Angehörigen oder Arbeitskollegen, die stärker werdende Aufklärung über Erkrankungen in Presse und Fernsehen führen aber oft zu dem Wunsch, diese möglichen Erkrankungen abklären zu lassen – leider, wie vieles anderes auch,  keine Leistung der Krankenversicherung. n der Vergangenheit haben die meisten Ärzte ein Auge zugekniffen und sind den Wünschen ihrer Patienten nach Vorsorgeuntersuchungen kostenlos nachgekommen. Zunehmende Rationierung und Budgetdruck führen aber dazu, das dies nicht länger möglich ist.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat daher in Abstimmung mit den ärztlichen Berufsverbänden 1996 einen Katalog individueller Gesundheitsleistungen entwickelt und diesen „IGEL-Katalog“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei diesem Katalog ist man davon ausgegangen, dass es ärztliche Leistungen gibt, die nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung  gehören, die aber dennoch gewünscht werden und ärztlich empfehlenswert bzw. vertretbar sind.
Der IGEL-Katalog sorgt somit für Transparenz im ärztlichen Leistungsgeschehen und macht für Sie überschaubar, was zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung gehört und welche sinnvollen Untersuchungen oder Behandlungen nicht zu Lasten der Solidargemeinschaft erbracht werden können.

Diese individuellen Gesundheitsleistungen gehören nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Daher müssen die Kosten von Ihnen persönlich getragen werden, sie werden auch nicht von der Krankenkasse erstattet.

Dabei eventuell entdeckte Erkrankungen werden selbstverständlich zu Lasten Ihrer Krankenkasse auf Vorlage der Chip-Karte behandelt.

Möchten Sie diese Leistungen in Anspruch nehmen, so müssen Sie dazu mit uns einen Behandlungsvertrag abschließen. Die Honorierung der einzelnen Leistungen erfolgt auf der Grundlage der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).

Letzte Aktualisierung am 01.05.2010